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    "title": "Struktureller Rassismus nicht in deutsche Integrationspolitik einbezogen",
    "modified_at": "2020-11-23 09:00:08",
    "published_at": "2020-11-23 09:00:00",
    "url": "https://press.vub.ac.be/untersuchung-der-vrije-universiteit-brussel-vub-deckt-stillschweigen-in-bezug-auf-strukturellen-rassismus-auf",
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    "language": "DE",
    "subtitle": "VUB-Forschung legt nahe, dass deutsche und belgische politische Leittexte ethnisch-rassische Ungleichheiten als individuelle Defizite einstufen",
    "slug": "untersuchung-der-vrije-universiteit-brussel-vub-deckt-stillschweigen-in-bezug-auf-strukturellen-rassismus-auf",
    "body": "<p><strong>Die Untersuchung der VUB hat gezeigt, dass belgische und deutsche politische Leittexte ethnisch-rassische Ungleichheiten in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt h&auml;ufig als individuelle M&auml;ngel der Migranten und Minderheiten selbst darstellen, wie z. B. unzureichende Sprachkenntnisse oder fehlende Qualifikationen. Dr. Laura Westerveen: &bdquo;<em>Der politische Diskurs schenkt den strukturellen Ursachen ethnisch-rassischer Ungleichheit wie dem </em><em>strukturellen Rassismus wenig Aufmerksamkeit. Dies ist die Art von Rassismus, die unabh&auml;ngig von den Absichten des Einzelnen in unseren wirtschaftlichen, politischen und bildungspolitischen Systemen vorhanden ist und die Chancen von Migranten und Minderheiten in der Gesellschaft beeintr&auml;chtigen kann. Indem sie sich auf individuelle Defizite konzentriert, &uuml;bertr&auml;gt die Regierung die Verantwortung f&uuml;r die Ungleichheiten auf die Migranten- und Minderheitengruppen selbst</em>.&ldquo;</strong></p>\n<p>Migranten und Minderheiten sind nach wie vor mit Ungleichheiten in den europ&auml;ischen Gesellschaften konfrontiert, zum Beispiel im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt. In ihrer Doktorarbeit unter der Leitung von Prof. Dr. Ilke Adam untersuchte Laura Westerveen vom VUB-Institute for European Studies, wie die Kluft bei den Bildungs- und Arbeitsmarktleistungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in der belgischen und deutschen Politik er&ouml;rtert wird.</p>\n<p>Westerveen identifizierte in 176 offiziellen politischen Pl&auml;nen der verschiedenen f&ouml;deralen und regionalen Beh&ouml;rden in Belgien und Deutschland im Zeitraum von 2000 bis 2017 dominante politische Rahmenbedingungen im Bereich Bildung und Besch&auml;ftigung. Sie untersuchte, was als Ursache f&uuml;r ethnisch-rassische Ungleichheit in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt genannt wird,&nbsp; und welche L&ouml;sungen vorgeschlagen werden, aber auch, wer als verantwortlich gilt, etwas dagegen zu unternehmen.</p>\n<p>Die Untersuchung zeigt, dass vor allem individuelle Defizite von Migranten und Minderheiten, wie z. B. unzureichende Sprachkenntnisse oder das Fehlen geeigneter Qualifikationen, als Ursache f&uuml;r ethnisch-rassische Ungleichheit angesehen werden. Strukturellere Ursachen der ethnisch-rassischen Ungleichheit, wie Rassismus und Diskriminierung, werden fast v&ouml;llig &uuml;bersehen. Diese Einsch&auml;tzung schl&auml;gt sich auch in den vorgeschlagenen politischen L&ouml;sungen nieder.&nbsp; Auch hier liegt der Schwerpunkt auf Sprachunterricht und individuellen Kompetenzen und kaum auf konkreten Antidiskriminierungsma&szlig;nahmen wie Kontrollen durch praktische Tests oder positive Aktionen. Westerveen: &bdquo;<em>Vermutlich spielt dabei die neoliberale Tendenz in Europa eine Rolle, bei der viele im Wesentlichen strukturelle Probleme auf Einzelprobleme reduziert werden, die dann mit dem Migrationshintergrund in Verbindung gebracht werden</em>.&ldquo;</p>\n<p><strong>Politische Unterschiede zwischen Flandern, Wallonien und Deutschland</strong></p>\n<p>Laut Westerveen gibt es einige Unterschiede zwischen den Diskursen der verschiedenen Beh&ouml;rden: &bdquo;<em>Der gr&ouml;&szlig;te Unterschied situiert sich in Belgien. Im fl&auml;mischen Diskurs weist man vor allem auf den Sprachr&uuml;ckstand von Menschen mit Migrationshintergrund hin. Im franz&ouml;sischsprachigen Belgien hingegen gibt es einen farbenblinden Diskurs</em><em>, der eher die sozio&ouml;konomische Ungleichheit als die ethnisch-rassische Ungleichheit betont. W&auml;hrend der politische Diskurs der belgischen F&ouml;deralregierung auch der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt als Ursache f&uuml;r ethnisch-rassische Ungleichheit eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken scheint, ist dies im politischen Diskurs der deutschen Bundesregierung wie der L&auml;nder weit weniger der Fall. Hier wird zumal Spracherwerb sowie der Bedarf an beruflicher Bildung von Neuank&ouml;mmlingen und Fl&uuml;chtlingen stark betont. Integrationsprogramme werden staatlicherseits organisiert, in dessen jedoch die Betonung auf der Verantwortung des Migranten liegt, sich anzupassen.&ldquo;</em></p>\n<p>Kontaktperson</p>\n<p>Laura Westerveen (English)</p>\n<p><a href=\"mailto:laura.westerveen@vub.be\" style=\"color:#0563c1; text-decoration:underline\">laura.westerveen@vub.be</a></p>\n<p>+32 (0)2 614 80 16</p>",
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